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Das Verdauungssystem des Pferdes

Langsames Fressen und intensives Kauen …

… sind für eine gesunde Verdauung Ihres Pferdes besonders wichtig. Neben Atemwegsproblemen gehören Verdauungsprobleme zu den häufigsten Krankheiten beim Pferd. Fütterungsfehler bilden dabei die Hauptursache. Der folgende Überblick zum Thema “Verdauungssystem des Pferdes” soll verständlich machen, warum eine rohfaserreiche Grundnahrung und eine angepasste Reduktion von Eiweiß und Stärke viele Verdauungs- und Stoffwechselprobleme mindern wenn nicht sogar verhindern können.

Produktion von Speichel sehr wichtig

Das Futter wird durch Kauen, enzymatische Prozesse (chemischer Abbau mithilfe von Enzymen) und mikrobiellen Abbau (vorwiegend durch Bakterien) in kleinste Teile zerlegt. Zunächst wird das Futter im Maul gesammelt und gekaut, damit es möglichst gründlich eingespeichelt wird. Durchschnittlich produziert ein Pferd bis zu 12 Liter Speichel pro Tag, sofern es ausreichend Raufutter erhält. Andere Futterarten werden vom Pferd viel weniger gekaut als rohfaserreiches Futter. Kraftfutter oder Müslis erfordern eine Kautätigkeit von 800 bis 1.200 Kauschläge pro Kilo. Im Vergleich dazu wird ein Kilo Raufutter mit etwa 3.000 bis 3.500 Kauschlägen „zerkleinert“.

Der Speichel dient zunächst als Schmiermittel, um Verstopfungen des Schlunds zu verhindern. Weiters enthält er Bikarbonate. Diese Pufferstoffe werden für das Neutralisieren der im Magen erzeugten Säuren benötigt. Je mehr das Pferd kaut, desto mehr Speichel wird produziert und umso effizienter wird die Magensäure neutralisiert. Von der Futteraufnahme bis zur Ausscheidung dauert es zwischen 35 und 50 Stunden. Die Verdauungsvorgänge finden vor allem im Magen, Dünndarm und Dickdarm statt.

Pferdemagen ist relativ klein

Der Pferdemagen ist auf die Erfordernisse eines Fluchttieres ausgerichtet. Mit einem Fassungsvermögen von etwa 15 bis 20 Litern ist er sehr klein und somit auf die regelmäßige Aufnahme geringer Futtermengen eingestellt. Dadurch kann die Nahrung schnell (innerhalb von 1 bis 5 Stunden) zum Dünndarm weitergeleitet werden. Ein Fluchttier muss rasch in der Lage sein zu flüchten und dies gelingt mit einem “weniger vollen” Magen viel besser.

Darm nimmt zentrale Rolle ein

Im Gegensatz zu anderen „Monogastriern“ (Lebewesen, deren Magen einteilig ist), spielt der Magen der Pferde eine untergeordnete Rolle bei der Verdauung. Im Magen findet zwar eine primäre Aufsplittung von Proteinen in Polypeptid-Ketten sowie von löslichen Kohlehydratbindungen statt. Die Hauptaufgabe des Magens besteht jedoch lediglich darin, das aufgenommene Futter für eine umfassendere Verdauung im Dünndarm und die mikrobielle Fermentation im Enddarm vorzubereiten. Pferde werden daher als sogenannte „Enddarmfermentierer“ bezeichnet.

Langsames “dahinfressen” optimal

Um die Magen-Aktivität zu verbessern, sollte Ihr Pferd langsam und lange „dahin fressen“. So bleibt der Magen stets zu rund zweidrittel voll. Dadurch kann die Futter-Aufbereitung und Säureneutralisierung im Magen stattfinden und die Vorbereitung für den Übergang in den kleinen Darm optimiert werden.

Der Dünndarm: schnell und fleißig

Pferde haben einen relativ kurzen Dünndarm. Dieser ist 20 bis 25 Meter lang und hat ein Fassungsvermögen von 55 bis 70 Liter. Die Dünndarmschleimhaut ist mit unzählig vielen Darmzotten ausgestattet, welche die Darmoberfläche stark vergrößern und für eine bestmögliche Nährstoffaufnahme sorgen. Auch diesen Abschnitt durchläuft das Futter relativ schnell. Die durchschnittliche Passagezeit beträgt nur rund 1,5 Stunden. Trotzdem findet im Dünndarm ein beträchtlicher Teil des Verdauungsvorgangs statt. Während Rohfaserbestandteile weitgehend unverdaut in den Dickdarm weitergeleitet werden, findet hier die Verdauung von leicht verdaulichem Kraftfutter statt. Eiweiße (Proteine) und Fette werden gespalten, Stärke, Laktose und Zucker in Glukose und Fruktose umgewandelt. Fette werden in Fettsäuren zerlegt und aufgenommen. Vitamine, Spurenelemente und Mineralien werden aus dem Futter verwertet.

Der Dickdarm: das Verdauungszentrum

Der Dickdarm des Pferdes hat ein Fassungsvermögen von 110 bis 180 Liter. Die Nahrung durchläuft diesen Bereich mit einer Passagezeit von 30-40 Stunden sehr langsam. Hier findet die Fermentation der Rohfaser aus Heu und Stroh (Cellulose, Hemicellulose, Pektine) statt. Die Faseranteile werden mikrobiell verwertet und zersetzt. Außerdem werden Nährstoffe, die noch unverdaut aus dem Dünndarm kommen, weiter verarbeitet. Bei der Fermentation wird die Struktur der Kohlenhydrate gebrochen, wobei Fettsäuren entstehen, die dem Pferd als Energielieferant dienen. Bei einer rohfaserreichen Fütterung bleibt der Fettsäuregehalt im Darm niedrig, sodass das Darmmilieu in etwa pH-neutral ist. Dies fördert und gewährleistet eine gesunde Mikroben-Population.

Eiweißüberschuss fördert Säurebildung

Wird zu viel Kraftfutter gefüttert, kommt es zu einem Überschuss an Stärke im Dünndarm. Diese kann dort nicht vollständig verdaut werden. Die unverdaute Stärke gelangt daher in den Dickdarm und verstärkt die Bildung von Fettsäuren. Ist das Darmmilieu daraufhin zu sauer, wird die Darmflora gestört. Mikroben, also die “guten Bakterien” im Darm, werden geschädigt und instabil. Mögliche Folgen sind eine Übersäuerung, Kotwasser, Koliken, Magengeschwüre, die Bildung von Stoffwechselgiften, bis hin zu Hufrehe.

Zu viel Kraftfutter belastet Entgiftungs- und Verdauungsorgane

Bei einer – gemessen an das Bewegungspensum – zu eiweißreichen Fütterung, kann es zu einem Eiweißüberschuss im Dickdarm kommen. Die Darmbakterien versuchen daraufhin aus den Proteinen Energie zu gewinnen. Im Zuge dieses Prozesses entsteht das Zellgift Ammoniak. Dieses gelangt in die Blutbahn und schließlich in die Entgiftungsorgane. In der Leber wird aus dem Ammoniak Harnstoff gebildet, welcher über die Nieren ausgeschieden werden muss. Dies belastet und schwächt die Entgiftungsorgane.

Kurzum: Qualitativ hochwertiges Raufutter in ausreichenden Mengen (ca. 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht) sowie eine an das Bewegungsregime streng angepasste Kraftfutterration sind die Grundvoraussetzungen für ein gesundes Verdauungssystem eines jeden Pferdes. Zudem können Sie Magen und Verdauung Ihres Pferdes auch mit gezielten Nährstoffen sowie Prä- und Probiotika unterstützen.

 

Quellen:

  • Mayer und Coenen, 2002
  • Wollter, 1994
  • www.haygain.co.uk
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