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Mein Pferd entgiften (Teil 1)

Mein Pferd entgiften? Warum? Und wie?

TEIL 1: Giftstoffe für Pferde

Was sind Giftstoffe für Pferde? Sollte ich mein Pferd regelmäßig entgiften? Und wenn ja, warum?

Im Spätherbst nach Saisonende bzw. als Vorbereitung auf die kalt-nasse Jahreszeit, sind Entgiftungskuren in aller Munde… Was ist damit gemeint? Ist das überhaupt nötig bzw. stimmt eigentlich der häufig rausposaunte Leitsatz „Hilft’s nicht, schadet’s nicht“? Womit entgifte ich? Insbesondere mit diesen Fragen setzen wir uns in einem zweiteiligen Fachartikel auseinander…

Bevor man überhaupt über das Thema „Entgiften“ nachdenkt, stellen wir uns  zunächst die Frage: Was ist denn eigentlich „Gift“ für mein Pferd? Erst mit diesem Hintergrundwissen, kann die Frage der Notwendigkeit einer Entgiftung sinnvollerweise beantwortet werden! Grob kann man die Giftstoffe, auf welche im Rahmen einer Entgiftung abgezielt wird, einteilen in

  • Körpereigene Gifte bzw. Stoffwechselgifte
  • Synthetische Gifte
  • Pflanzliche Gifte

Stoffwechselgifte

Stoffwechselgifte (z.B. überschüssige Säuren) können sich bei Stoffwechselerkrankungen, Stoffwechselüberlastungen oder falscher Ernährung im Organismus ansammeln. Vor allem aber die Gruppe der „Freien Radikale“ gehört zu den körpereigenen Giften. Sie entstehen im Zuge des Zellstoffwechsels in jeder Zelle des Körpers – beim Menschen als auch beim Pferd. Ein Freies Radikal ist ein chemisches Element, dem ein Elektron fehlt und welches daher bestrebt ist, einem anderen Molekül ein Elektron zu entreißen. Dabei entsteht eine Kettenreaktionen: ein freies Radikal holt sich ein Elektron vom Nachbarn um stabil zu werden, dadurch wird aber der Nachbar zum freien Radikal und geht zum nächsten Nachbarn, etc… Man spricht von „oxidativem Stress“. Dies ist bis zu einem gewissen Maße ein physiologischer, also völliger normaler, Vorgang. Der Körper schickt in einem solchen Fall einen sog. Freien Radikalfänger, um „die Lawine“ zu stoppen. Wenn mehrere Komponenten zusammenspielen (z.B. UV-Strahlen, Entzündungen, Turnierstress, hohe, körperliche Belastung, Medikamente,…) kann eine Überproduktion an Freien Radikalen stattfinden. Erhöhte Konzentrationen solcher hochreaktiver Moleküle führen zu Zellschädigungen, genauer gesagt zu strukturellen und funktionellen Veränderungen von Proteinen, Lipiden und Nukleinsäuren.

Synthetische Giftstoffe

In die Kategorie der „synthetischen Giftstoffe“ werden vor allem Pestizide, Schwermetalle und unter Umständen auch Farb- und Konservierungsstoffe eingeordnet. Solche Giftstoffe finden sich in (Billig-)Futtermitteln oft in bedenklichen Konzentrationen. Schädliche, synthetische Gifte finden sich aber natürlich auch in der Umwelt (Abgase, Ozon,…), welche den Pferdeorganismus über die Atemluft oder Haut erreichen. Eine kontinuierliche Zufuhr beansprucht die Entgiftungsorgane.

pflanzliche Giftstoffe

Mit „pflanzlichen Giftstoffen“ sind Pilz- und Pflanzengifte gemeint. Schimmelpilze produzieren sog. sekundäre Stoffwechselprodukte, Mykotoxine genannt, die bei Menschen und Tieren eine toxische Wirkung zeigen. (Nicht gemeint sind Giftstoffe, die in bestimmten Pilzen per se enthalten sind.) Ebenso problematisch sind einige giftige Pflanzen, wie etwa Jakobskreuzkraut, Sumpfschachtelhalm, die Herbstzeitlose oder das Mutterkorn im Getreide. Immer relevanter scheint im Zusammenhang mit der Pferdehaltung auch die Problematik der sog. Endophyten zu werden. Viele unserer wichtigsten Wirtschaftsgräser, wie das Deutsche Weidelgras, der heimische Rohrschwingel, Wiesenschwingel und Welsches Weidelgras sind besonders trittfest, möglichst unempfindlich, dürreresistent und aufgrund dieser Vorzüge als Pferdewiese äußerst beliebt. Doch Achtung: Unserer Futtergräser bedienen sich sogenannter Endophyten, um genau diese besonderen Fähigkeiten zu erwerben. Dies sind Organismen, die innerhalb einer Pflanze als Symbiosepartner leben. Viele dieser Endophyten sind vermehrt dazu in der Lage, schädliche Gifte zu produzieren. Pflanzliche Giftstoffe bzw. giftige Pflanzen belasten ebenfalls jene Organe im Körper, die für das Ausleiten der Gifte verantwortlich sind, vor allem Nieren und Leber.

Pferdperfekt Tipp

Auf eine gute Futterauswahl achten! Belasten Sie den Pferdeorganismus, insbesondere die Entgiftungsorgane, gar nicht erst unnötig! Egal ob Hauptfutter, Zusatzfutter, Salzlecksteine oder die beliebten Leckerlis, erhältlich in sämtlichen Farben und Gerüchen – die Qualität sollte immer das zentrale Auswahlkriterium sein. Es sei angemerkt: die Qualitätsunterschiede der auf dem Markt erhältlichen Produkte sind horrend. Naturbelassenem, thermisch aufgeschlossenem Futter ist ausnahmslos Vorrang zu geben!