Husten beim Pferd
Wenn das Pferd hustet: über Ursachen und Vorbeugung
Winterliche Ausritte im Schnee sehen traumhaft aus, doch viele Pferdebesitzer können sie nicht genießen. Denn das Pferd hustet oder ist durch Atemwegsprobleme gar nicht reitbar. Studien zeigen: In Deutschland leidet mindestens jedes vierte Pferd unter Atemwegserkrankungen, rund zehn Proizent sogar chronisch. Früher sprach man von Dämpfigkeit oder COPD, heute fasst man diese Erkrankungen unter dem Begriff „Equines Asthma“ zusammen. Doch Husten beim Pferd ist kein reines „Winterproblem“. Auch im Sommer können Staub, Allergien oder Pollen Atemwege und Lunge stark belasten.

Von Natur aus leistungsstark – aber empfindlich
Pferde sind Fluchttiere, ihre Lunge ist auf Höchstleistung ausgelegt. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen oberen (Nüstern, Nasengänge, Kehlkopf, Luftröhre) und unteren Atemwegen (Bronchien, Lunge). Auf der Flucht mussten Pferde jederzeit sofort reagieren können – dafür ist ihre Lunge ein starkes und anpassungsfähiges Organ. Gleichzeitig ist sie aber auch anfällig gegenüber Reizstoffen und Allergenen.
Winterhusten: kalte Luft und Heustaub
Im Winter führen vor allem diese Faktoren zu Atemwegsproblemen:
- Staub im Heu: Heustaub enthält neben Staubpartikeln auch Pilzsporen, Bakterien und Milben – allesamt stark allergen.
- Feucht-warmes Stallklima: Geschlossene Stalltüren und mangelnde Belüftung erhöhen Staub- und Ammoniakbelastung im Winter.
- Weniger Bewegung: Mehr Boxenzeit, weniger Weidegang, weniger Frischluft sorgen für gereizte, anfällige Lungen.
Husten im Winter: Staub, Pollen und Allergien
Viele Pferde husten auch in den Sommermonaten regelmäßig. Besonders empfindliche Tiere reagieren sogar stärker als im Winter. Typische Ursachen sind:
- Pollenallergien: Gräser- und Blütenpollen reizen die Atemwege und führen zu allergischem Husten.
- Staub in der Reithalle oder Reitplatz: Trockener Boden wirbelt feinen Staub auf, der tief in die Lunge gelangt.
- Sommerstaub im Stall: Trockenes, bröseliges Heu oder Stroh erhöht die Staubbelastung zusätzlich.
- Hitze und Ozon: Warme, stehende Luft belastet Atemwege und Schleimhäute.
Husten beim Pferd ernst nehmen
Ein gelegentliches „Hüsteln“ wirkt harmlos, doch Husten ist bei Pferden immer ein ernstzunehmendes Symptom. Gründe sind fast nie kurzfristige Reizungen, sondern meist festsitzender Schleim, eine Infektion oder allergische Reaktionen.
Symptome, bei denen Sie sofort einen Tierarzt konsultieren sollten:
- Fieber (über 39,0 °C bei ausgewachsenen Pferden)
- Nasenausfluss (gelb, grün, blutig oder wässrig)
- geschwollene Lymphknoten
- Atemnot, Bauchatmung, Rasselgeräusche
- regelmäßiger oder anhaltender Husten
Präventive Maßnahmen, um Husten zu verhindern
- Sorgen Sie für möglichst viel Bewegung an der frischen Luft
Frischluft tut nicht nur den Pferdelungen an sich gut. Thermoreize sind insgesamt für das Immunsystem der Pferde wichtig. Sie regen den Blutkreislauf ebenso an, wie den Stoffwechsel. Doch bei aller Mühe und gutem Willen, es gibt Tage, da birgt ein Koppelgang, je nach Gegebenheiten im jeweiligen Stall, auch mal zu große Gefahren, beispielsweise eisige, unebene Koppeln oder ein Winter-Sturm. In diesen Zeiten ist vor allem der Pferdebesitzer gefragt. Gleichen Sie deshalb an solchen Tagen den fehlenden Koppelgang mit viel leichter Bewegung an der Hand oder unter dem Sattel aus, um die Selbstreinigung der Lunge anzukurbeln.
Achten Sie auf ausreichend Futter von guter Qualität
Gerade im Winter, wo die Möglichkeiten der Bewegung an der frischen Luft häufig eingeschränkt(er) sind, muss darauf geachtet werden, dass das Raufutter (Heu/Heulage/Futterstroh) von einwandfreier Qualität ist. Vor allem Pilzsporen (Schimmel) im Heu, aber auch lungengängige Partikel wie Bakterien und Milben, können allergische Reaktionen auslösen. Sie stellen eines der größten Gefahrenpotenziale für die Pferdelungen dar. Viele Pferdebesitzer bedampfen daher das Raufutter, um die Allergene im Heu zu vernichten.
Heubedampfen ist die effektivste Lösung, um die Staubbelastung in der Pferdebox zu minimieren. Die veraltete Methode des Einweichens führt nach kurzer Zeit zu einer starken Keimvermehrung im eingeweichten Futter. Diese „Keimsuppe“ kann auch das Verdauungssystem und die Entgiftungsorgane stark beanspruchen. Für nähere Informationen rund ums Thema Heubedampfen empfehlen wir Ihnen den Artikel „Atemwegserkrankungen, Heustaub und Heubedampfer“.
- Achten Sie in Stall und in der Halle auf frische, staubarme Luft
Wenn es kalt und windig wird, sieht man Stalltüren, Fenster und Reithallentore oft verschlossen. Gutes Durchlüften hilft dabei, den Staub abzutransportieren. Doch nicht nur der Staub, sondern vor allem auch die durch die Atemluft der Pferde produzierte Feuchtigkeit wird beim Fenster hinausgeschickt. Das ist gut, denn ein feuchtwarmes Stallklima ist problematisch, da dies optimale Wachstumsbedingungen für Keime darstellt.
Im Winter verändern sich viele kleine Haltungsfaktoren gleichzeitig – weniger Koppelgang, weniger Bewegung, mehr Zeit in der Box oder Halle und oft mehr staubiges Heu. Dadurch steigt die Belastung durch Staub, Keime und Ammoniak, während gleichzeitig Frischluft fehlt. Das überfordert das empfindliche Atemwegssystem des Pferdes: Die Lunge wird gereizt, Krankheitserreger können schlechter abgewehrt werden und es kommt leichter zu Infektionen, Allergien und Husten. Bleiben solche Reizungen und Entzündungen unbehandelt, können Atemwegserkrankungen chronisch werden.

Kräuter für starke Lungen
Hochwertige Kräuter und Pflanzen können die Atemwege des Pferdes gezielt unterstützen. Vitamin-C-reiche Zutaten wie Heidelbeeren oder Hagebutten stärken das Atemwegsgewebe, während Ingwer, Schisandra, Gelbwurz und Rosmarin zur Gesunderhaltung der Lunge beitragen. Ätherische Öle wie Nelken- oder Eukalyptusöl fördern zudem die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege. Viele dieser Kräuter wirken antioxidativ und unterstützen so ein stabiles Immunsystem. Entscheidend ist jedoch ein wissenschaftlich fundiertes Qualitätsprodukt, das nur für Pferde geeignete Kräuter in sinnvoller Konzentration und Kombination enthält. Diese Zusammensetzungen helfen, die Lunge sauber, widerstandsfähig und leistungsfähig zu halten – auch bei höherer Belastung.
Inhalieren hilft, Schleim auszuhusten

Inhalieren ist vor allem bei chronischen Atemwegserkrankungen eine bewährte Maßnahme. Es unterstützt die Selbstreinigung der Atemwege und verflüssigt in den Atemwegen festsitzenden Schleim. Regelmäßiges Inhalieren ist deshalb vor allem bei chronischen Atemwegserkrankungen oder Equinem Asthma sinnvoll. Es hilft den Pferden, wieder freier atmen zu können. Doch auch bei akuten Infekten und Husten ist Inhalieren ratsam, da es den Heilungsprozess beschleunigen kann.
Für nähere Informationen rund ums Inhalieren empfehlen wir Ihnen den Beitrag „Effektives Inhalieren beim Pferd“. Sie haben Fragen? Gerne beraten wir Sie persönlich!
